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Fit für die zweite Jahreshälfte

Wie Handwerksbetriebe in fünf Schritten den Kurs setzen

Nach der Sommerpause wird im Handwerk schnell sichtbar, ob der Herbst geordnet läuft oder unnötig hektisch wird. Wer jetzt Aufträge, Kapazitäten, Liquidität und Abläufe kurz sortiert, schafft mehr Übersicht – und oft auch mehr wirtschaftlichen Spielraum.

Jetzt wird entschieden, wie stabil der Herbst läuft

Im Spätsommer verdichten sich im Handwerk viele Themen gleichzeitig: laufende Baustellen, neue Anfragen, Materialdisposition, Urlaubsrückkehr, offene Rechnungen. Genau deshalb lohnt sich in dieser Phase ein kurzer Betriebscheck. Nicht, weil alles neu organisiert werden muss, sondern weil kleine Unklarheiten in vollen Wochen schnell teuer werden.

Schon wenige Stellschrauben machen einen spürbaren Unterschied:

Vier Fragen zur Auftragslage

  • Welche Aufträge sind bereits verbindlich?
  • Welche Angebote müssen nachgefasst werden?
  • Welche Projekte sind terminkritisch?
  • Welche Baustellen binden viel Zeit, aber bringen wenig Marge?

1. Aufträge sortieren: Was trägt den Herbst wirklich?

Nicht jeder Auftrag ist gleich wichtig. Manche Projekte sind wirtschaftlich stark, manche binden viel Zeit und bringen wenig Ertrag. Andere Aufträge wiederum sind vor allem terminkritisch, weil Folgegewerke, Gerüste oder Kundenabsprachen daran hängen. Gerade kleine und mittlere Betriebe gewinnen schnell an Klarheit, wenn sie den Auftragsbestand nicht nur nach Auslastung, sondern nach Verlässlichkeit und Ertrag hin beurteilen. Ebenso wichtig: offene Angebote aktiv nachfassen. Gerade nach der Ferienzeit konkretisieren viele Kunden ihre Vorhaben – und oft entscheidet nicht das bessere Angebot, sondern die verbindlichere Rückmeldung.

Was jetzt in der Personalplanung zählt

  • Urlaubsrückkehr sauber einplanen &frohe Vertretungsregelung
  • Einarbeitung Azubis mitdenken

  • Überlastung einzelner Teams vermeiden
  • Rückmeldungen zwischen Büro und Baustelle klären

  • Zeitpuffer für kurzfristige Änderungen einbauen

2. Kapazitäten realistisch planen

Wenn die Aufträge stehen, kommt die nächste Frage: Wer kann die Arbeit tatsächlich leisten? Nach dem Sommer sind Teams nicht immer sofort wieder im vollen Rhythmus, auch neue Azubis an Bord brauchen individuelle Führung und Integration. Gleichzeitig steigt der Druck auf Baustelle und Büro.

Eine saubere Wochenplanung hilft hier mehr als spontane Abstimmung. Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen Büro und Baustelle: Fehlende Rückmeldungen, unklare Zuständigkeiten oder zu knappe Zeitfenster bringen Abläufe schnell ins Rutschen.

Kurzcheck Gesundheit & Sicherheit

  • Körperlich schwere Arbeiten fair verteilen
  • Pausen, Wasser und Hitzeschutz organisieren
  • Arbeitskleidung, Fahrzeuge und Werkzeuge prüfen
  • Vertretungen sauber einweisen
  • Warnzeichen von Überlastung früh ansprechen
  • Entlastung und Unterstützung anbieten

3. Nicht nur auslasten – auch Gesundheit und Sicherheit im Blick behalten

„Fit“ heißt in der zweiten Jahreshälfte nicht nur gut organisiert, sondern auch belastbar arbeiten. Denn wenn der Druck steigt, nehmen oft auch Hektik, Improvisation und Konzentrationsfehler zu. Das kostet Qualität – und kann auf Baustellen schnell zum Sicherheitsrisiko werden.

Deshalb lohnt sich auch ein kurzer Belastungscheck: Sind schwere Einsätze fair verteilt? Sind Rückkehrer, Neueinsteiger und Vertretungen sauber eingewiesen? Sind Trinkwasser und Pausen organisiert sowie Fahrzeuge und Werkzeuge in Ordnung? Prävention schützt Team und Termine zugleich.

Liquiditätscheck in fünf Punkten

  • Sind alle erbrachten Leistungen abgerechnet?
  • Welche Abschläge fehlen noch?
  • Sind Nachträge sauber dokumentiert und gestellt?
  • Welche Forderungen sind überfällig?

  • Reicht die Liquidität für Material, Löhne und laufende Kosten?

4. Liquidität prüfen, bevor es eng wird

Volle Auftragsbücher allein sichern noch keinen stabilen Herbst. Eng wird es oft dann, wenn Leistungen erbracht, aber nicht abgerechnet sind. Gerade im Handwerk bleiben Abschläge, Nachträge oder offene Forderungen im Tagesgeschäft schnell liegen.

Ein kurzer Blick auf die Zahlen schafft Klarheit und verhindert, dass gute Auslastung in unnötigen finanziellen Druck kippt. Besonders hilfreich ist jetzt die Frage, was bereits erledigt, aber noch nicht berechnet ist.

Typische Zeitfresser im Herbst

  • fehlende Materialien
  • Verspätete Nachbestellungen
  • Kurzfristige Terminverschiebungen
  • Unklare Zuständigkeiten und unnötige Zusatzfahrten

5. Material, Termine, Kommunikation: kleine Störer ernst nehmen

Im Herbst bringen oft nicht die großen Probleme Baustellen ins Stocken, sondern viele kleine Unterbrechungen: fehlendes Material, zu späte Nachbestellungen, unklare Zuständigkeiten oder Termine ohne Puffer. Das führt zu Zusatzfahrten, Rückfragen und unnötigem Zeitverlust.

Genauso wichtig ist eine klare Kommunikation. Kunden reagieren meist besser auf realistische Ansagen als auf zu knappe Zusagen. Intern entlasten feste Rückmeldezeiten und ein klarer Ansprechpartner pro Baustelle den Alltag deutlich.

Trendthemen für die zweite Jahreshälfte

  • Barrierefreiheit und altersgerechter Umbau
  • energetische Modernisierung im Bestand
  • Heizungs- und Systemoptimierung vor dem Winter
  • digitale Tools und KI zur Entlastung im Betriebsalltag

Heute schon an morgen denken: Fit für Quartal 3 & 4

Die zweite Jahreshälfte ist nicht nur ein guter Zeitpunkt, um den Betrieb intern sauber aufzustellen. Sie ist auch der Moment, in dem viele Kunden Vorhaben konkretisieren, die vor dem Sommer noch aufgeschoben wurden. Daher ist es für Handwerksbetriebe sinnvoll, sich neben Auslastung und Abläufen auch mit fachlichen Themen auseinanderzusetzen, die perspektivisch von Kunden immer häufiger nachgefragt oder auch für interne Prozesse bedeutsam werden. Besonders relevant sind aktuell vor allem Leistungen, die Alltag, Sicherheit und Energieverbrauch verbessern.

Barrierefreiheit wird für viele Eigentümer zum konkreten Sanierungsanlass – etwa durch bodengleiche Duschen, rutschhemmende Lösungen, besser nutzbare Zugänge oder komfortablere Bäder. Gleichzeitig bleiben energetische Optimierungen gefragt, vor allem dann, wenn sie sich in überschaubaren Schritten umsetzen lassen. Auch digitale Helfer und KI-Anwendungen können interessant werden – weniger als Zukunftsvision, sondern ganz praktisch für Angebotsvorbereitung, Dokumentation oder Kundenkommunikation.

    >>Praxis-Tipp:

    Nicht jedes Trendthema passt zu jedem Gewerk. Entscheidend ist, welche Leistungen sich im eigenen Betrieb abbilden und im Kundengespräch aktiv ansprechen lassen.

    Fazit: Im Herbst entscheidet nicht Tempo, sondern Struktur

    Volle Auftragsbücher sind noch kein Garant für einen ruhigen Jahresausklang. Entscheidend ist, ob Aufträge sauber priorisiert, Kapazitäten realistisch geplant, Rechnungen rechtzeitig gestellt und Abläufe klar geführt werden.

    Ebenso wichtig: Hohe Auslastung darf nicht auf Kosten von Konzentration, Gesundheit und Sicherheit gehen. Wenn Zuständigkeiten klar sind, Material rechtzeitig da ist und Belastungen im Team früh auffallen, sinken Reibung, Fehler und unnötiger Druck. Genau dann entsteht die Stabilität, die Handwerksbetriebe in der zweiten Jahreshälfte wirklich brauchen.

    Quellen und weiterführende Informationen

    • Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
    • Handwerkskammern / regionale Konjunkturberichte
    • Deutsche Handwerks Zeitung
    • handwerk magazin
    • Deutsches Handwerksblatt
    • BG BAU
    • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

    Der 30-Minuten-Check für den Betriebsalltag

    0–10 Minuten: Aufträge prüfen

    • Was ist sicher? Was muss nachgefasst werden?

    • Was sollte neu priorisiert werden?

    10–20 Minuten: Team und Zuständigkeiten klären

    • Wer ist wann verfügbar? Wo braucht es Vertretung?

    • Wo sind Abläufe zwischen Büro und Baustelle unklar?

    20–30 Minuten: Check Zahlen, Material, Belastung

    • Sind Rechnungen und Nachträge aktuell?

    • Sind kritische Materialien bestellt? Sind Termine realistisch?

    • Gibt es Sicherheits- oder Überlastungspunkte im Team?

    >>Hinweis:

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